Biolandwirtschaft ist mehr ...

G.SCHNEPEL@GAIA.comlink.apc.org
02 Mar 1995 06:29:27

Biologische Landwirtschaft ist mehr als nur eine Art Lebensmittel zu
produzieren.

10. Internationale IFOAM Konferenz in Neuseeland
mit Rekordbeteiligung.

In der zweiten Dezemberwoche '94 kamen mehr als 800 Teilnehmer aus
etwa 60 Laendern zur 10. internationalen Wissenschaftskonferenz der IFOAM
(Internationale Vereinigung biologischer Landbaubewegungen) in
Christchurch, Neuseeland zusammen. Die Konferenz wurde vor Ort und mit
bravour unter der Koordination des IFOAM Vorstand-Mitgliedes Bob
Crowder und in Zusammenarbeit mit dem "Centre for Continuing Education"
an der Lincoln Universitaet organisiert.

Die Konferenzbeitraege gaben einen aktuellen Ueberblick ueber neueste
Erkenntnisse und Ergebnisse der Forschung im und fuer den biologischen
Landbau. In Arbeitsgruppen wurden Strategien fuer die zukuenftige
Entwicklung des biologischen Landbaus diskutiert. Viele Beitraege der
Konferenz zeigten eindeutig, dass nicht nur im Gastgeberland Neuseeland
sondern in sehr vielen Laendern ueberall auf der Welt der biologische Landbau
eine bemerkenswerte Entwicklungstufe und Anerkennung erreicht hat. Die
Konferenz war auch ein klares Zeichen dafuer, dass der biologische Landbau
definitiv auf dem Weg heraus aus der Nische ist; und dies kann man nicht
nur feststellen fuer die industrialisierten Laender, sondern auch fuer die
Laender
in der suedlichen Hemisphaere.

Nach einem faszinierenden Willkommensritual in der Tradition der Maoris
konnte IFOAM's Praesident Thomas Harding (USA) die Tagung im
Konferenzzentrum in Christchurch eroeffnen. Neuseelands
Landwirtschaftsminister Denis Marshall bekraeftigte die zunehmende
politische Unterstuetzung seines Landes fuer den biologischen Landbau. Mit
grosser Aufmerksamkeit wurde eine Grussbotschaft von Prinz Charles an die
Konferenzteilnehmer entgegengenommen. Im ersten Eroeffnungsvortrag
reflektierte Peter Ellyard von Australien auf zur Kontroverse anregende Art
ueber wichtige Aspekte bei der Entwicklung hin zu einer nachhaltigen
Gesellschaftsform. Ein erster Hoehepunkt der Konferenz war sicher der
Eroeffnungsvortrag der indischen Physikerin Vandana Shiva, die letztes Jahr
den "alternativen Nobel-Preis" erhielt. Sie zeigte auf die ihr eigene und
herausragende Weise die Verbindungen zwischen Landwirtschaft, Umwelt,
Handelsfragen und Freiheit auf.

In der Tradition des ganzheitlichen Ansatzes im biologischen Landbau
wurden weit ueber die landwirtschaftliche Produktion hinaus sehr viele
Themen bei der Konferenz behandelt. Die Vortraege und Diskussionen
konzentrierten sich unter anderem auf Fragen der Umstellung, des
wirtschaftlichen Vergleiches zur konventionellen Landwirtschaft,
artgerechter Tierhaltung, Landschaftsgestaltung, Vermarktung und
Produktgarantie (Zertifizierung).

Zahlreiche Beitraege zeigten das Spannungsfeld zwischen Selbstversorgung
mit Nahrungsmitteln und Welthandel auf. Es wird auch in Zukunft eine
andauernde Herausforderung fuer die Biobewegung sein, dass diese zwei
Aspekte in der Balance bleiben und dass der sogennante "freie" Handel
zunehmend ersetzt wird durch fairen Handel. Im Hinblick auf die juengsten
Entwicklungen im Gebiet der Gentechnik haben eine Reihe von Referenten
solide Gruende aufgezeigt, warum diese Technologie keinen Platz im
biologischen Landbau haben kann. Es wurde auch deutlich gemacht, dass
diese neue Bedrohung unsere permanente Aufmerksamkeit und verstaerken
Widerstand verlangen.

Dank grosszuegiger Unterstuetzung von unter anderem Misereor und Brot fuer
die Welt war es moeglich, zahlreichen Menschen aus sogennanten
Entwicklungslaendern die Teilnahme an der Konferenz zu ermoeglichen und
ihnen dadurch auch eine Plattform zu bieten fuer einen effektiven Sued-Sued
Dialog. Mit Unterstuetzung der Heinrich-Boell-Stiftung konnte auch eine
beachtliche Delegation aus Laendern Zentral- und Ost-Europas teilnehmen.
Die Teilnehmer aus aller Welt konnten sich bei dieser Konferenz einmal
mehr in zahlreichen Treffen und regionalen Workshops vernetzen und ihre
zukuenftige Zusammenarbeit koordinieren.

Mehrere Fachexkursionen in Australien und Neuseeland gaben den
Teilnehmern im Vorfeld der Konferenz die Moeglichkeit, mehr ueber
Umweltfragen und die Entwicklung des biologischen Landbaus in der Region
zu lernen. Diese Fachexkursionen boten darueber hinaus die Gelegenheit des
Erfahrungsaustausches auf praktischen Gebieten des biologischen Landbaus.

Die Beitraege der Konferenz sind bereits erhaeltlich und koennen entsprechend
den verschiedenen Themenschwerpunkten auch einzeln bestellt werden.
Weitere Information hierzu sind erhaeltlich bei: Center for Continuing
Education, P.O. Box 84, Lincoln University, New Zealand, fax: +64-3-325
3840.

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Die IFOAM Generalversammlung

Direkt nach der Konferenz fand die 13. Generalversammlung der IFOAM
statt, die wiederum die Mehrheit der IFOAM Mitglieder zusammenbrachte,
um gemeinsam die Zukunft des Verbandes zu gestalten. Unter den
Hauptthemen, die zur Debate und Entscheidung anstanden waren eine
ausfuehrliche Ueberarbeitung der IFOAM-Rahmenrichtlinien und der offizielle
Start des IFOAM Anerkennungsverfahrens fuer Zertifizierungsorganisationen.
Ein Ergebnis der Versammlung war auch die weitere Entwicklung der
Dezentralisierungsbemuehungen in regionalen Netzwerken.

Der neugewaehlte Vorstand der IFOAM wird angefuehrt vom Praesident Herve
La Prairie (Frankreich), Linda Bullard (USA) als Vize-Praesidentin und Coen
van Beuningen (Niederlande) als Schatzmeister. Des weiteren wurden in den
Vorstand gewaehlt: Rainer Baechi (Schweiz), Bob Crowder (Neuseeland),
Ranjith De Silva (Sri Lanka), John Wanjau Njoroge (Kenia) und Ursula
Soltysiak (Poland).

Die Delegation aus Daenemark lud die Teilnehmer zur 11. IFOAM Konferenz
ein, die im August 1996 im Kopenhagen stattfinden wird. Die
Generalversammlung beschloss auch bereits, die 12. Konferenz 1998 in
Argentinien abzuhalten.

P.S.: Diese Pressemitteilung ist auch in englischer, franzoesicher und
spanischer Sprache erhaeltlich. Die Grussadresse von Prinz Charles und
Schwarz/Weiss-Photos fuer Ihre Publikation koennen vom Generalsekretariat
angefordert werden.

IFOAM - Generalsekretariat
Oekozentrum Imsbach
D-66636 Tholey-Theley

Tel.: +49-6853-5190
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